Alkohol: 7 Lügen / 7 Wahrheiten
Was richtet Alkohol im Gehirn an?
Ist Wein wirklich gesund ?
Und liegt das Trinken in den Genen ?
Was bringt die Lust am Alkohol, und was kostet sie ?
Lesen Sie hier neue einige neue Forschungsergebnisse ...
WARUM ALKOHOL WIRKLICH ENTSPANNT:
Alkohol wirkt im Gehirn auf den
GABA-Rezeptor im zentralen Nervensystem, der die
Hirnaktivitäten dämpft und den Kopf zunächst in
einen angenehmen Ruhezustand versetzt: der
Stress lässt nach. Doch mit jedem weiteren Glas
weicht die mentale Entspannung bleierner
Müdigkeit. Die Wahrnehmung wird bald getrübt,
das Denken lahmgelegt. |
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WARUM ALKOHOL EMOTIONEN AUSLÖST:
weil die Moleküle des Alkohols die Arbeit
des Hippocampus - der Verstandeszentrale -
behindern, übernimmt das Limbische System, das
für unsere Gefühle zuständig ist, mit jedem Glas
Alkohol ein wenig mehr die Kontrolle. Je nach
Grundstimmung kann deshalb grösste Freude und
tiefste Traurigkeit auslösen. |
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WARUM ALKOHOL SELBSTBEWUSST MACHT:
Durch Alkohol wird der wichtigste
aktivierende Botenstoff im Gehirn angesprochen:
Glutamat. Er sorgt dafür, dass wir Hemmungen
verlieren und uns Dinge zutrauen, vor denen wir
uns nüchtern ängstigen.
Allerdings: ab 0,5 Promille schlägt in der Regel
das positive Selbstvertrauen in peinliche,
häufig auch gefährliche Selbstüberschätzung um. |
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WANN ALKOHOL DIE KREATIVITÄT ANREGT:
Gemässigter Alkoholkonsum hat die
Ausschüttung von Endorphinen zur Folge, die
euphorische Stimmungen auslösen. Beste
Voraussetzung für neue Ideen, erkannten
Hirnforscher: Die Gedanken werden gelockert,
beginnen zu rasen, eine gute Idee jagt die
andere. Die Vernunft gibt angesichts der starken
Gefühle klein bei, der Filter im Kopf wird
durchlässiger, das kreative Denken im
Präfrontalen Kortex bekommt einen Schubs. |
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7 LÜGEN:
Rotwein in
Maßen ist gesund
Er soll ein echter Zaubertrank sein:
Rotwein. Die in den Weintrauben
enthaltenen Antioxidantien sollen
vor Herzinfarkt schützen,
Krebserkrankungen verhindern, das
altern aufhalten. Doch letztlich
fußt die Geschichte vom gesunden
Rotwein auf kaum mehr als einem
vagen Verdacht: die Menschen im
Mittelmeerraum trinken viel Rotwein
und leben länger. Das könnte aber
auch am Olivenöl liegen. Auch neue
Studien, die dem moderaten eine vor
Diabetes schützende Wirkung
zusprechen, werden in
Expertenkreisen angezweifelt. Das
Problem: die Forschungen wurden von
multinationalen Alkoholkonzernen, u.
a. Moët & Chandon,
finanziert.
ein
Schnaps hilft der Verdauung
Falsch. Der Schnaps vertreibt
zwar das Völlegefühl, weil er die
Produktion von Magensäure fürdert
und die Magenentleerung
beschleunigt.
Aber: das Essen wird dadurch nicht
schneller, sondern langsamer
verdaut, weil der Körper sich immer
zuerst mit dem Abbau des Alkohols
beschäftigt. "Der muss weg, weil er
für den Körper ja ein potentielles
Gift ist", sagt Ernährungsphysiologe
Manfred Müller. Und Alkohol enthält
zusätzliche Kalorien.
Alkoholkonsum erhöht generell den
Blutdruck
Richtig
ist: mäßiger Alkoholkonsum mäßigt
den Blutdruck. dies haben
Untersuchungen von Ärzten der
Harvard-Universität ergeben. "Da
exzessiver Alkoholkonsum den
Blutdruck definitiv erhöht, wird
Hochdruckpatienten häufig geraten,
überhaupt nichts mehr zu trinken",
sagt Jokine Beulens, die Erstautorin
der Studie. "Unsere Ergebnisse
zeigen hingegen, dass diese
Einschränkung nicht nötig ist, wenn
Männer kontrolliert und
verantwortungsbewusst trinken."
Erstmals wurde speziell bei
Männern mit Bluthochdruck untersucht,
wie sich moderater Alkoholgenuss auf
ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden
auswirkt.
mit
Alkohol schläft man besser
Nein.
Wissenschaftliche Studien belegen:
je mehr Alkohol wir trinken, desto
schneller schlafen wir zwar ein,
"aber was in der zweiten
Schlafhälfte an Turbulenzen folgt,
ist alles andere als ein erholsamer
Schlaf", erklärt der Schlafforscher
Jürgen Zulley. Grund: der Abbau des
Alkohols ist für den Körper absolute
Schwerstarbeit. Wer vor dem
Einschlafen trinkt, wacht in der
Nacht häufiger auf. Sowohl der
Tiefschlaf als auch die REM- oder
Traumphase in den frühen
Morgenstunden werden verkürzt. "Der
gesamte Schlaf wird gestört", so das
Experten-Fazit. Ausserdem wirkt
Alkohol muskelentspannend und führt
dazu, dass man nach dem Einschlafen
schneller schnarcht.
ein
Glas Wasser neutralisiert den Wein
Alkohol wird über den
Magen und vor allem über den oberen
Dünndarm in das Blut aufgenommen und
baut sich mit Hilfe eines Enzyms in
konstanter Geschwindigkeit ab - mit
und ohne Wasser, sagt der
Gastroenterologe Stephan Haas von
der Universitätsklinik Heidelberg.
Das obligatorische Wasser zum Wein
wird deshalb empfohlen, weil Alkohol
die Urinproduktion steigert und
durch nichtalkoholische Getränke der
Wasserverlust verhindert wird, der
eine Ursache für den 'Kater' ist.
Labile
Persönlichkeiten neigen zur
Abhängigkeit
Das lässt sich
wissenschaftlich genausowenig
belegen, wie die oft behauptete
Erblichkeit von Alkoholismus.
Zahlreiche Studien kommen hingegen
zum Ergebnis, dass es unter
Alkoholkranken ebenso viele
Persönlicjhkeitstypen gibt, wie bei
Nichtabhängigen. Und: Knapp 80
Prozent aller Männer mit
alkoholabhängigen Verwandten sind
keine Alkoholiker, zeigt die
Statistik. Welche Rolle bei den
übrigen 20 Prozent die Sozialisation
spielt, ist strittig. Genetische
Unterschiede gibt es indessen bei
der Verträglichkeit von Alkohol, zum
Beispiel bei der Abbaufähigkeit der
Leber.
Bier
auf Wein, das lass sein
Ob wir morgens
mit einem Kater aufwachen, hängt
allein von der Menge des getrunkenen
Alkohols und seinen Zusatzstoffen
ab. Generell gilt: je reiner der
Alkohol ist,
desto geringer ist das
Kopfschmerzrisiko. die Reihenfolge
der alkoholischen Getränke spielt
keine Rolle. Der überlieferte
Sinnspruch ist wohl historisch
bedingt, wie der Mannheimer
Medizinprofessor Falk Kiefer
vermutet: vom edlen Wein auf das
frühere Arme-Leute-Getränk Bier
überzugehen, versinnbildliche
sozialen Abstieg.
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7 WAHRHEITEN:
Regelmässiger Konsum verändert das
Gehirn
Durch regelmässigen Konsum wird das
Belohnungszentrum mit dem Botenstoff
Dopamin, der positive Reize
übermittelt, geflutet.
Folge: die körpereigene
Dopaminproduktion wird gedrosselt.
Normale Reize (Essen, Sex, soziale
Begegnungen) kitzeln das Hirn also
immer weniger, dafür verlangt es
mehr nach dem Drogenkick von aussen.
Und: mit jedem Nachschub erhöht sich
die Zahl jener Schaltstellen, die
Dopamin-Signale empfangen können.
"Alkoholkonsum verändert das
körpereigene Motivations- und
Belohnungszentrum", sagt Falk
Kiefer, einer der führenden
Suchtforscher. "Schon das Trinken
eines Glases Wein wirkt prinzipiell
auf das suchtzentrum im Gehirn wie
eine Dosis Heroin."
Alkohol
vermindert das Denkvermögen
Weil Alkohol nicht einen
bestimmten Rezeptor im Gehirn
anspricht, sondern verschiedene,
löst er dort widersprüchliche
biochemische Mechanismen aus: ein
Botenstoff sorgt dafür, das Gehirn
in einen Dämmerzustand zu versetzen,
ein anderer kurbelt die
Hirnaktivität massiv an. Beides
führt dazu, dass sich Menschen unter
Alkohol zunächst enthemmt und
mutiger als sonst, dann müde und
schlapp fühlen. Gleichzeitig
schwindet der Verstand, da die
Moleküle des Alkohols die
Nervenzellen lähmen und die
Informationsübermittlung behindern.
Dafür übernimmt das Limbische
System, verantwortlich fr das
Triebverhalten, die Kontrolle.
Alkohol
beeinträchtigt unsere Gesundheit
Wahr ist:
Alkohol ist ein Zellgift, das jedes
Organ gefährlich schädigen kann.
Zahlreiche medizinische Studien
belegen aber auch: eine geringe
Menge Alkohol am Tag - egal ob Wein
oder Bier - scheint das Risiko für
Herzinfarkt und Gefässerkrankungen
tatsächlich zu senken. Die Dosis ist
entscheidend: maximal ein Drink
(0,2l) für die Frau, knapp zwei für
den Mann.
wer
regelmässig trinkt, ist noch kein
Alkoholiker
Jeder Mensch
verträgt unterschiedliche Mengen.
Der Begriff "Alkoholiker" ist
deshalb unscharf. Als abhängig gilt,
wer mindestens drei von sechs
Kriterien erfüllt:
1. es besteht Trinkzwang
2. die Kontrollfähigkeit ist
vermindert
3. Entzugserscheinungen bei
Minderung der Dosis
4. die Dosis muss ständig gesteigert
werden, um Wirkung zu erzielen
5. andere Lebensbereiche werden
zugunsten der Sucht vernachlässigt
6. der Betroffene hört mit dem
Trinken nicht auf, obwohl ihm die
Folgen bewusst sind.
unter
Alkoholeinfluss sieht man doppelt
das
Doppeltsehen hat sogar einen Namen:
"binokulare Diplopie". Für die
visuelle Koordination ist vor allem
das Kleinhirn verantwortlich. Es
steuert nicht nur die
Augenmuskulatur, sondern sorgt
dafür, dass die beiden separat
gewonnen Bilder synchron ausgewertet
werden. Unter Alkohol schafft es das
Kleinhirn nicht mehr, Augen und
Augenmuskulatur angemessen zu
koordinieren, es kann unsere Linsen
nicht mehr scharf stellen - der
sogenannte Tunnelblick entsteht.
Deswegen ist auch das Autofahren
schon mit wenig Alkohol gefährlich.
Bereits ab 0,3 Promille können wir
Abstände nicht mehr einschätzen. Wer
sein Gegenüber doppelt wahrnimmt,
hat allerdings schon deutlich mehr
als 0,8 Promille im Blut.
wer
mehr isst, verträgt mehr Alkohol
Bei leerem
Magen kann ein Gramm Alkohol
innerhalb von ein bis drei Minuten
in die Blutbahn aufgenommen werden
und je nach Stoffwechsellage in
einer Stunde wieder abgebaut sein.
Liegt Nahrung im Magen und Darm, ist
die Resorptionsfläche für den
Alkohol vermindert; das ist die
Fläche, über die Alkohol ins Blut
gelangt. "Insbesondere fettreiches
Essen kann so die Wirkung des
Alkohols verlangsamen", sagt Experte
Manfred Müller.
Alkohol
erhöht die Risikofreude
Bei einem leichten Rausch (0,3 bis
1,5 Promille) steht die
euphorisierende und
antriebsfördernde Wirkung noch im
Vordergrund.
Mit dem Wohlbefinden steigen
Selbstbewusstsein und
Selbsteinschätzung (erhöhter
Rededrang, Mut zur Unvernunft),
während die Leistungsfähigkeit
sinkt. Schon geringe Mengen Alkohol
vermindern Konzentration,
Urteilsvermögen und die Kontrolle
über sämtliche Bewegungen.
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