Kreuzbund: Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft für Suchtkranke und Angehörige. www.kreuzbund.de
(Bild: Angehöriger)

Co-Abhängigkeit


(Bild: Co-abhaengig.jpg)
 



 

GIFT FÜR DIE GANZE FAMILIE

- auch Angehörige leiden unter der Sucht
 





Hinter jedem Alkoholabhängigen stehen, statistisch gesehen, mindestens drei Angehörige, die mit und unter dem abhängigen Familienmitglied leiden.

Vergleichbar mit den Entwicklungsstadien von Alkoholabhängigkeit, durchlaufen auch sie verschiedene Phasen. Man bezeichnet dies als "Co-Abhängigkeit".

In der ersten Phase der Alkoholsucht registrieren die Angehörigen, dass getrunken wird, suchen aber gleichzeitig Entschuldigungen oder Ausreden wie "die anderen trinken ja auch" oder "er hat halt mal einen über den Durst getrunken". Sie ermahnen den Betroffenen zwar, nicht zu viel zu trinken, dass sich dahinter aber ein Problem verbergen könnte, wollen sie aber noch nicht wahrhaben.

In der zweiten Phase ist das Problem offensichtlich. Der Angehörige will die Entwicklung aufhalten, dem Betroffenen helfen. Es kommt zu Vorwürfen, gegenseitigen Schuldzuweisungen und Streit. in einigen Fällen kommt es auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.

In der akuten Phase ist das Problem nach aussen hin nicht mehr zu verheimlichen. Für die Angehörigen ist das äusserst belastend. Es kommt zu Scham und Schuldgefühlen.

Das Selbstwertgefühl leidet

Die Angehörigen stecken in jeder Phase in einem grossen Dilemma. Sie wollen helfen, die Situation aufhalten, klammern sich an Versprechungen, müssen aber oft genug erkennen, dass sie scheitern. Trotzdem übernehmen sie die Verantwortung und eine grosse Leidensbereitschaft bis hin zur persönlichen Selbstaufgabe. Irgendwann drückt sich dies auch in körperlichen Beschwerden aus. Die Angehörigen sind gestresst, überfordert, das eigene Selbstwertgefühl leidet. Depressionen und psychosomatische Krankheiten sind oft die Folge.

Für Angehörige ist es wichtig, die eigene Realität klar zu sehen und keine Entschuldigungen für das Trinken des Betroffenen zu suchen.
Statt dessen sollten Angehörige klare Grenzen setzen, wie etwa "bis hierher und nicht weiter", sowie Konsequenzen aufzeigen und auch umsetzen. Wenn man dem Alkoholkranken wirklich helfen will, heisst das, ihm nicht zu helfen, denn erst wenn der Rückhalt aus dem Umfeld fehlt, ist der Abhängige gezwungen, selbst etwas zu unternehmen. Für Angehörige ist das in der Regel ein schmerzlicher Lernprozess, der aber in kleinen Schritten zum Erfolg führt.

Therapeutische Hilfe suchen

Wichtig ist zudem, dass sich die Angehörigen selbst Hilfe holen, zum Beispiel beim Hausarzt oder bei Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Kinder geraten ebenso aus dem Gleichgewicht. Auch wenn die Familie versucht, das Alkoholproblem von ihnen fernzuhalten, entwickeln sie meist schnell ein Gespür für Situationen und Probleme.
Häufig kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten. So ist das Selbstwertgefühl der Kinder gestört, sie ziehen sich zurück, schlafen schlecht, haben Angstzustände und werden krank. Viele haben schlimme Erfahrungen gemacht, die sie lebenslang prägen.

Quelle: zdf.de 14.06.2007