Co-Abhängigkeit


GIFT FÜR DIE GANZE FAMILIE
- auch Angehörige leiden unter der Sucht
Hinter jedem
Alkoholabhängigen stehen, statistisch gesehen, mindestens
drei Angehörige, die mit und unter dem abhängigen
Familienmitglied leiden.
Vergleichbar mit den Entwicklungsstadien von
Alkoholabhängigkeit, durchlaufen auch sie verschiedene
Phasen. Man bezeichnet dies als "Co-Abhängigkeit".
In der ersten Phase der Alkoholsucht registrieren die
Angehörigen, dass getrunken wird, suchen aber gleichzeitig
Entschuldigungen oder Ausreden wie "die anderen trinken ja
auch" oder "er hat halt mal einen über den Durst getrunken".
Sie ermahnen den Betroffenen zwar, nicht zu viel zu trinken,
dass sich dahinter aber ein Problem verbergen könnte, wollen
sie aber noch nicht wahrhaben.
In der zweiten Phase ist das Problem offensichtlich.
Der Angehörige will die Entwicklung aufhalten, dem
Betroffenen helfen. Es kommt zu Vorwürfen, gegenseitigen
Schuldzuweisungen und Streit. in einigen Fällen kommt es
auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.
In der akuten Phase ist das Problem nach aussen hin
nicht mehr zu verheimlichen. Für die Angehörigen ist das
äusserst belastend. Es kommt zu Scham und Schuldgefühlen.
Das Selbstwertgefühl leidet
Die Angehörigen stecken in jeder Phase in einem grossen
Dilemma. Sie wollen helfen, die Situation aufhalten,
klammern sich an Versprechungen, müssen aber oft genug
erkennen, dass sie scheitern. Trotzdem übernehmen sie die
Verantwortung und eine grosse Leidensbereitschaft bis hin
zur persönlichen Selbstaufgabe. Irgendwann drückt sich dies
auch in körperlichen Beschwerden aus. Die Angehörigen sind
gestresst, überfordert, das eigene Selbstwertgefühl leidet.
Depressionen und psychosomatische Krankheiten sind oft die
Folge.
Für Angehörige ist es wichtig, die eigene Realität klar zu
sehen und keine Entschuldigungen für das Trinken des
Betroffenen zu suchen.
Statt dessen sollten Angehörige klare Grenzen setzen, wie etwa
"bis hierher und nicht weiter", sowie Konsequenzen aufzeigen
und auch umsetzen. Wenn man dem Alkoholkranken wirklich
helfen will, heisst das, ihm nicht zu helfen, denn erst wenn
der Rückhalt aus dem Umfeld fehlt, ist der Abhängige
gezwungen, selbst etwas zu unternehmen. Für Angehörige ist
das in der Regel ein schmerzlicher Lernprozess, der aber in
kleinen Schritten zum Erfolg führt.
Therapeutische Hilfe suchen
Wichtig ist zudem, dass sich die Angehörigen selbst Hilfe
holen, zum Beispiel beim Hausarzt oder bei Beratungsstellen
und Selbsthilfegruppen. Kinder geraten ebenso aus dem
Gleichgewicht. Auch wenn die Familie versucht, das
Alkoholproblem von ihnen fernzuhalten, entwickeln sie meist
schnell ein Gespür für Situationen und Probleme.
Häufig kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten. So ist das
Selbstwertgefühl der Kinder gestört, sie ziehen sich zurück,
schlafen schlecht, haben Angstzustände und werden krank.
Viele haben schlimme Erfahrungen gemacht, die sie lebenslang
prägen.
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Quelle: zdf.de 14.06.2007 |
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