wie sag ich's meinem Kollegen?
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Kollegen und Mitarbeiter, die unter dem Einfluss von Suchtmitteln stehen,
gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch Ihre Mitmenschen
und Arbeitskollegen !
Für die Kollegen im Umfeld gilt deshalb:
Je früher man auf das
Problem aufmerksam macht, desto besser !
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Getränke wie Bier, Wein, Sekt oder
Spirituosen gehören als traditionelle Bestandteile
zum alltäglichen gesellschaftlichen Leben. Es gibt
jedoch Situationen, in denen man auf alkoholische
Getränke ganz verzichten sollte. Vor allem am
Arbeitsplatz!
Zwar liegen keine detaillierten Angaben darüber vor,
wie häufig Alkohol bei Arbeitsunfällen eine Rolle
spielt, man geht jedoch von einem Anteil von 25 bis
30% (einschliesslich der Wegeunfälle) aus.
Schätzungen der DHS (Deutsche Hauptstelle gegen
Suchtgefahren) beziffern ca. fünf Prozent aller
Beschäftigten als alkoholkrank, weitere zehn Prozent
erscheinen stark gefährdet. Der daraus resultierende
volkswirtschaftliche Gesamtschaden (Lohnausfall,
Minderleistung, Entziehungskuren, Krankenhauskosten)
ist schwer zu schätzen. Klar ist: Der Schaden ist zu
hoch!
Alkoholabhängigkeit ist kein
unabänderliches Schicksal.
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, diese
Krankheit zu stoppen. Vor dem Ausstieg steht aber
immer das Erkennen. Der Betroffene kann dies fast
nie ohne Hilfe von aussen. Für die Kollegen im
Umfeld gilt deshalb: Je früher man auf das Problem
aufmerksam macht, desto besser!
Wichtig dabei ist, behutsam vorzugehen.
Beobachten Sie den möglicherweise Betroffenen über
einen längeren Zeitraum. Ein einmaliger Kater des
Kollegen oder der Kollegin ist sicherlich kein Grund
zu glauben, dass ein Alkoholproblem vorliegt.
Bedenken Sie, wie schnell Gerüchte entstehen!
Sensible Themen wie Alkoholabhängigkeit verlangen
von allen Beteiligten eine diskrete Handhabung!
Die Anforderungen im beruflichen und
privaten Alltag nehmen zu. Unter dem Begriff
"Stress" sammeln sich alle Probleme, die
der Mensch in seinem täglichen Leben zu bewältigen
hat. Normalerweise kommen wir mit unseren Sorgen und
Nöten ganz gut zurecht. Gespräche mit Kollegen,
Freunden und Verwandten helfen und lassen Dinge oft
in einem anderen Licht erscheinen.
Bei einigen Menschen funktioniert - aus
unterschiedlichen Gründen - diese Problembewältigung
nicht. Häufig versuchen die betroffenen Personen,
ihre Sorgen zu verdrängen oder zu überdecken.
Alkohol ist, neben Medikamenten, hierbei ein häufig
verwendetes Mittel.
Wie sagte seinerzeit Heinz
Rühmann: "Sorgen lassen sich nicht ertränken, sie
können schwimmen."
Alkoholismus entwickelt sich schleichend. Signale
sind das Gläschen Sekt, dass die Kollegin jeden
Morgen für den Kreiskauf braucht oder der Kasten
Bier, der, seit der neue Kollege in der Kolonne
arbeitet, keine halbe Woche mehr reicht.
Sie, als Kollegin oder Kollege können nicht die
Rolle eines Therapeuten oder Suchtberaters erfüllen.
Aber Sie können helfen! Durch frühes Erkennen und
richtige Unterstützung können Sie verhindern, dass
aus einer Gefährdung Sucht - d. h. eine nicht mehr
kontrollierbare Abhängigkeit - wird.
Menschen mit Alkoholproblemen machen ihre
Gesprächspartner gerne zu Komplizen, indem sie ihnen
sehr persönliche Dinge anvertrauen.
Bedenken Sie bitte: Mitleid
hilft dem Betroffenen nicht weiter!
Für den, der die schwierige Situation des
Kollegen erkennt, bedeutet dies: Hilfe bei der
Lösung der Schwierigkeiten des Betroffenen anbieten,
und nicht dessen Fehlverhalten decken!
Wie erkenne ich eine beginnende oder
bestehende Alkohol-Abhängigkeit ?
Wo fängt Alkoholismus eigentlich an? Gibt es eine
tägliche Trinkmenge, ab der man eindeutig festlegen
kann, dass ein Mensch alkoholabhängig ist?
Wissenschaftler in aller Welt haben
sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und so gibt
es in zahlreichen Industrieländern
"Trinkempfehlungen". Demnach enthält ein "Drink" 8
bis 12 Gramm Äthylalkohol. Dies entspricht ungefähr
einer 0,33 l Dose Bier, 0,2 l Wein oder einem
doppelten Schnaps mit 40% Vol. Je nach Land halten
Wissenschaftler täglich ein bis zwei "Drinks" (für
Frauen etwa ein Drittel weniger) pro Tag für
unbedenklich. Andererseits werden jedoch ein bis
zwei alkoholfreie Tage in der Woche empfohlen.
Die Anzeichen von
Alkoholabhängigkeit kommen schleichend und nicht
alle auf einmal. Hier einige typische Beispiele von
Verhaltensänderungen, die einen Hinweis auf eine
beginnende oder bestehende Abhängigkeit geben
können.
Vielleicht sind Ihnen folgende Verhaltensweisen
schon mal bei dem einen oder anderen Kollegen
aufgefallen:
■ Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit häufen sich
■ Konzentrationsschwächen
■ Selbstüberschätzung
■ Häufige Fehlzeiten, die später in Urlaub umgewandelt werden
■ Vorratshaltung von Alkohol im Büro
■ Trinken zu "unüblichen" Zeiten
■ Leugnen des Trinkens
■ Heimlich trinken oder
■ Präsenz bei allen Gelegenheiten, zu denen Alkohol getrunken wird
■ Bagatellisierung der Trinkmenge
■ Erfinden von Gründen für den Alkoholkonsum
■ Vermeiden von Gesprächen über Alkohol
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Beobachten Sie auch nur zwei dieser Verhaltensweisen häufiger, so kann dies Anzeichen
einer Alkoholgefährdung sein.
Wie kann ich einem Alkoholkranken helfen?
Alkoholismus ist eine Krankheit. Selten schaffen es die Betroffenen, alleine aus dem Kreislauf von
Frust, Suff und Sucht auszubrechen. Wenn Sie glauben, das Problem Alkoholismus bei einer Kollegin
oder einem Kollegen erkannt zu haben, handeln Sie!
Schaffen Sie eine optimale Gesprächssituation, am
besten nur Sie beide an einem Ort, an dem Sie keiner
stören kann:
- vermeiden Sie Beschuldigungen
- sprechen Sie vielmehr darüber, dass Sie sich sorgen, weil Sie Veränderungen
am Verhalten Ihres Kollegen/Ihrer Kollegin bemerkt haben
- Nennen Sie ganz konkrete Beispiele, in welchen Situationen Ihnen die
Veränderungen aufgefallen sind
- Schildern Sie offen Ihre Ängste, wenn er oder sie betrunken Auto fahren oder
Maschinen bedienen, bzw. Fehler machen
- Lassen Sie sich nicht in private oder berufliche Probleme hineinziehen. Mitleid
und Verständnis blockieren
- Sagen Sie, dass Sie nicht bereit sind, die Sucht zu decken
- Stellen Sie klar, dass, wenn erneut während der Arbeitszeit Alkohol konsumiert
wird, Sie einen Vorgesetzten informieren
- Halten Sie sich an Ihre Ankündigungen
In den meisten Fällen wird Ihr Gesprächspartner nicht erfreut reagieren. Ablehnung und
Aggressivität sind - neben übertriebener Einsicht - häufige Reaktionen auf solche Gespräche.
Setzen Sie sich darüber hinweg!
Ihr Ziel muss sein, dem anderen zu signalisieren, dass er nicht allein ist, und dass Sie sein Verhalten
nicht länger tolerieren.
Manchmal reicht ein solches Gespräch schon aus, um den anderen aufzurütteln, Ändert sich nach diesem
Gespräch nichts, wenden Sie sich konsequent an den nächsten Vorgesetzten, den Betriebsrat oder -arzt,
den Suchtbeauftragten oder die Personalabteilung. Kleinere Betriebe bieten häufig Beratung und
Therapie ausser Haus an.
In zahlreichen Unternehmen gibt es heute Suchtberater, die Ihnen weiterhelfen und Sie
unterstützen. Haben Sie keine Angst, dass dem Betroffenen wegen Ihres Eingreifens gekündigt wird.
In den Betrieben weiss man heute, dass es kostengünstiger ist, einem bewährten Mitarbeiter zu
helfen und ihn zu halten, als die Stelle neu zu besetzen.
Denken Sie daran: Je früher Sie bemerken, dass in Ihrem Arbeitsumfeld jemand Probleme im Umgang mit
alkoholischen Getränken hat, um so leichter kann geholfen werden.
Wie sollten Sie vorgehen, wenn Sie in Ihrem Arbeitsumfeld auf einen Menschen mit einem möglichen
Alkoholproblem aufmerksam wurden?
Die folgenden drei Schritte können für einen Betroffenen die ersten Schritte auf dem Weg zurück
in ein unabhängiges Leben sein:
GESPRÄCHSLEITFADEN:
Vieraugengespräch
■
Vereinbaren Sie einen
Gesprächstermin mit dem Betroffenen,
bei dem
Sie
ungestört sprechen können!
■ Äussern Sie klar Ihre Bedenken!
■
Konfrontieren Sie Ihren
Gesprächspartner mit seinen
arbeitsvertraglichen
Pflichtverletzungen! (Fehlzeiten,
Pausenüber-
schreitungen, nachweisliche
Trunkenheit am Arbeitsplatz)
Konstruktiver Druck
■ Legen Sie gemeinsam eine Zielsetzung
fest!
(keine Fehlzeiten, kein Alkohol während der
Arbeitszeit etc.)
■
Stellen Sie deutlich die
Konsequenzen bei einem Regelbruch
dar!
(Einbeziehung weiterer Personen,
z.B. Vorgesetzte, Personalabteilung,
Betriebsrat, Betriebsarzt)
Kontrollgespräch
■ Vereinbaren Sie ein Kontrollgespräch
(ca. 4 Wochen später)
■ Bei Nichteinhaltung der Zielsetzung
leiten Sie umgehend die
angekündigten Konsequenzen
ein! |
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